Longstay-Zielgruppen: wer wohnt wie lange, und was das für Ihr Haus bedeutet
Zum sechsten Mal in Folge wurde 2015 der Rekord an Übernachtungen in Deutschland gebrochen. Die Zahl der Übernachtungen von Januar bis Dezember letzten Jahres übertraf die Vergleichswerte des Vorjahres um über 4 Millionen, was einem Zuwachs von 5,4 Prozent entspricht. Auch die Prognose für 2016 verspricht eine positive Entwicklung: Bereits in den ersten Monaten war ein Plus von sechs Prozent im Übernachtungsvolumen zu verzeichnen.
In diesem Artikel erfahren Sie:
- Welche Zielgruppen es im Longstay gibt.
- Aus welchen Gründen der deutsche Markt immer relevanter für das temporäre Wohnen wird.
- Was der Unterschied zwischen Serviced Apartments und Boardinghouses ist.
- Wie Sie sich mit innovativen Angeboten von Ihren Wettbewerben differenzieren.
Erstveröffentlichung am 14. September 2016. Vollständig neu gefasst am 25. September 2026: Der Artikel behandelt seither die Nachfrageseite des Longstay-Segments. Die Begriffsabgrenzung zwischen Boardinghouse und Serviced Apartment finden Sie in unserem Immobilienlexikon, die Konzept- und Renditefragen auf den Nutzungskonzept-Seiten.
Ein Longstay-Haus wird von vier bis fünf konkreten Gruppen getragen, die aus unterschiedlichen Gründen für Wochen oder Monate eine Wohnung auf Zeit brauchen. Das Segment als Ganzes trägt gar nichts. Wer diese Gruppen kennt, plant Grundriss, Möblierung und Service anders. Wer sie nicht kennt, baut ein Hotel mit Küche und wundert sich über die Fluktuation.
In diesem Artikel erfahren Sie
- Welche vier Gruppen die Auslastung eines Longstay-Hauses tragen.
- Ab wann ein Aufenthalt als Longstay gilt und warum diese Grenze planungsrelevant ist.
- Wie lange Bewohner typischerweise bleiben und was die Verweildauer für den Ertrag bedeutet.
- Welche Ausstattung ein längerer Aufenthalt verlangt, die ein Hotelzimmer nicht liefert.
- Woran Sie erkennen, dass Ihr Konzept an der Zielgruppe vorbeigeplant ist.
Ab wann ein Aufenthalt Longstay ist
Im deutschen Markt zieht man die Grenze meist bei 28 Nächten. Alles darunter läuft als Short- oder Mediumstay. Für die Planung ist die Folge wichtiger als die Definition: Ab etwa einem Monat verhält sich ein Bewohner wie ein Mieter. Er kocht, wäscht, arbeitet und empfängt Besuch im Apartment. Die vollständige Staffelung steht unter Longstay im BelForm-Immobilienlexikon.
Boardinghouse und Serviced Apartment bezeichnen im deutschen Markt weitgehend dieselbe Nutzung, unterscheiden sich in der Praxis aber im Servicegrad und in der typischen Aufenthaltsdauer. Die vollständige Abgrenzung mit Baurecht und steuerlicher Einordnung steht im Lexikon unter Boardinghouse: Definition und Abgrenzung.
Die vier Gruppen, die ein Longstay-Haus tragen
Vier Gruppen kommen in fast jedem Haus vor. Ihr Mix hängt vom Standort ab, ihre Bedürfnisse nicht.
Projektmitarbeiter und Entsandte
Sie kommen mit einem Auftrag und einem Enddatum: Baustelle, Systemeinführung, Werksanlauf, Beratungsmandat. Der Arbeitgeber bucht, der Mitarbeiter wohnt. Was zählt, ist ein Arbeitsplatz, an dem man abends noch zwei Stunden sitzen kann, eine verlässliche Verbindung und eine Küche, die ein Abendessen erlaubt, ohne dass die Kollegen im Hotelrestaurant sitzen. Diese Gruppe bleibt Wochen bis Monate und bucht oft mehrere Apartments gleichzeitig.
Zuziehende Fachkräfte in der Ankunftsphase
Wer für einen neuen Job in die Stadt kommt, hat selten am ersten Tag eine Wohnung. Die Ankunftsphase dauert erfahrungsgemäß einige Monate: Wohnungssuche, Behördengänge, Einleben. Diese Gruppe sucht Anschluss ab dem ersten Tag: Paketannahme, Waschmöglichkeit, einen Platz im Haus, an dem man jemanden trifft, Informationen auf Englisch. Und sie braucht häufiger mehr Fläche, weil Partner oder Familie nachkommen.
Menschen in Übergangssituationen
Umbau der eigenen Wohnung, Trennung, Pendelphase zwischen zwei Standorten, Wartezeit auf die fertige Immobilie. Diese Bewohner wollen kein Hotelgefühl, sondern Normalität auf Zeit. Sie bringen mehr Gepäck mit, bleiben oft länger als geplant und reagieren empfindlich auf alles, was nach Provisorium aussieht: fehlender Stauraum, keine Waschmaschine, ein Bett, das man morgens hochklappen muss.
Mitreisende Partner und Familien
Die vierte Gruppe wird in Konzepten am häufigsten vergessen: Wer einen Projektmitarbeiter oder eine zuziehende Fachkraft begleitet, verbringt mehr Zeit im Apartment als der Hauptmieter. Tagsüber, nicht abends. Daraus folgt eine zweite Sitzgelegenheit, ein Tisch, an dem zwei Menschen essen und arbeiten, und ein Grundriss, der zwei Tagesabläufe nebeneinander erlaubt.

Wie lange bleiben Longstay-Bewohner
Das hängt am Konzept und am Standort. Gewerbliche Häuser bedienen auch Mediumstay und liegen deshalb kürzer. Wohnwirtschaftliche Micro-Living-Häuser mit Mietverträgen kommen auf deutlich längere Verweildauern. Die Spanne reicht in der Praxis von wenigen Wochen bis zu mehr als einem Jahr.
Verweildauer als Ertragshebel
Jeder Wechsel kostet: Reinigung, Leerstandstage, Vermarktung, Verwaltungsaufwand. Deshalb gehört die Verweildauer in jede Ertragsrechnung, gleichberechtigt neben Miete und Auslastung.
Wie stark sie durchschlägt, zeigt das Little East in Frankfurt, ein wohnwirtschaftliches Micro-Living-Haus mit 276 Einheiten und einer Durchschnittsfläche von 21,3 Quadratmetern. Nach der Neuordnung von Produkt, Ausstattung und Vermietung stieg die durchschnittliche Verweildauer von sechs auf zwölf Monate. Die Vermietungsquote liegt über 95 Prozent, stabil über zwölf Monate, und die Vermietungskosten sanken um rund 10 Prozent, weil schlicht seltener neu vermietet werden muss. Die Zahlen stammen aus dem Whitepaper Micro Living 2026; den ganzen Fall lesen Sie unter Little East Frankfurt: Repositionierung im Bestand.
Halbe Verweildauer heißt doppelte Wechselkosten. Das ist die Rechnung, die im Exposé nie auftaucht und in der Betriebskostenabrechnung immer.
Was die Zielgruppe im Apartment tatsächlich braucht
Je länger der Aufenthalt, desto mehr wünschen sich die Bewohner, ein Zuhause vorzufinden, ihre gewohnte Routine weiterzuleben und sozialen Anschluss zu finden. Daraus lässt sich die Ausstattung fast ableiten.
Arbeitsplatz, Stauraum, Küche, Waschen
Vier Dinge entscheiden darüber, ob ein Bewohner nach drei Wochen umbucht oder nach drei Monaten verlängert: ein Arbeitsplatz mit Licht und Beinfreiheit, Stauraum für einen ausgepackten Koffer und einen zweiten dazu, eine Küche, in der man kocht und nicht nur aufwärmt, und eine Waschmöglichkeit im Haus. Dazu Steckdosen dort, wo Menschen sitzen, und ein Bett, das nachts ein Bett ist und tagsüber kein Hindernis. Nichts davon ist teuer. Alles davon fehlt in einem Hotelzimmer mit Kochnische.
Gemeinschaftsflächen mit definierter Nutzung
Longstay-Bewohner nutzen Gemeinschaftsflächen anders als Hotelgäste: nicht zum Warten, sondern zum Leben. Eine Lobby, in der man arbeiten und jemanden treffen kann, ein Waschsalon, ein Paketraum. Die Fläche muss nicht groß sein, sie muss eine Aufgabe haben. Unbestimmte Lounges bleiben leer. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt unser Nutzungskonzept Boardinghouses.

Warum Hotelkonzepte im Longstay an Grenzen stoßen
Die großen Ketten sind im deutschen Longstay-Markt angekommen. Für ein einzelnes Haus ist das weniger bedrohlich, als es klingt, weil die Ketten überwiegend Aufenthalte bis etwa vier Wochen bedienen. Der eigentliche Langzeitaufenthalt bleibt offen für Häuser, die dafür geplant sind.
Der Grund liegt im Regelwerk. Ein Hotelkonzept ist auf den Wechsel gebaut: Housekeeping täglich, Frühstück im Haus, ein Zimmer, das für jeden Gast gleich aussieht. Longstay ist auf das Bleiben gebaut: eigene Routinen, eigene Dinge, eigener Rhythmus. Wer das eine Regelwerk auf die andere Nutzung überträgt, bekommt Bewohner, die nach vier Wochen gehen. Die Häuser mit den stabilsten Auslastungen sind in der Regel die, die ein erkennbares eigenes Konzept haben und nicht das Regelwerk einer Hotelmarke übertragen. Was das für Konzept und Ausstattung heißt, steht in unserem Nutzungskonzept Serviced Apartments.
Den Zielgruppenmix am eigenen Standort bestimmen
Die Nachfrage konzentriert sich auf Standorte mit vielen Nachfragegeneratoren: Arbeitgeber, Kliniken, Hochschulen und laufende Großprojekte im Umfeld. Ein Haus neben einem Werk mit Anlaufbetrieb füllt sich mit Projektmitarbeitern. Ein Haus in der Nähe einer Uniklinik mit Ärzten in Weiterbildung und Angehörigen. Ein Haus im Quartier mit vielen Neubauten mit Menschen, die auf ihre Wohnung warten.
Deshalb beginnt jedes Longstay-Konzept mit der Frage, wer in zwei Kilometern Umkreis für wie lange eine Wohnung braucht. Erst daraus folgen Typenmix, Flächen und Service. Andersherum gebaut, entsteht ein Haus, das für alle ein bisschen passt und für niemanden richtig.
Häufige Fragen zu Longstay-Zielgruppen
Im deutschen Markt zieht man die Grenze meist bei 28 Nächten. Alles darunter läuft als Short- oder Mediumstay. Für die Planung ist die Folge daraus wichtiger als die Definition selbst: Ab etwa einem Monat verhält sich ein Bewohner wie ein Mieter. Er kocht, wäscht, arbeitet und empfängt Besuch im Apartment. Die vollständige Staffelung steht im BelForm-Immobilienlexikon.
Das hängt am Konzept und am Standort. In einem von BelForm ausgestatteten Micro-Living-Haus in Frankfurt stieg die durchschnittliche Verweildauer von 6 auf 12 Monate, dokumentiert im Whitepaper Micro Living 2026. Gewerbliche Häuser liegen kürzer, weil sie auch Mediumstay bedienen. Jeder Wechsel kostet Reinigung, Leerstandstage und Vermarktung, deshalb gehört die Verweildauer in jede Ertragsrechnung.
Weil die Kompromissbereitschaft mit der Aufenthaltsdauer sinkt. In der ersten Woche akzeptiert ein Gast eine kleine Ablagefläche und einen Schreibtisch ohne Beinfreiheit. Nach einigen Wochen bucht er um. Longstay verlangt echten Stauraum für einen ausgepackten Koffer, einen Arbeitsplatz mit Licht, eine Küche zum Kochen und eine Waschmöglichkeit im Haus. Fehlt einer dieser Punkte, sinkt die Verweildauer und die Vermietungskosten steigen.
Ankommen im Alltag. Wer für einen Jobwechsel in die Stadt zieht, sucht ab dem ersten Tag Anschluss: eine Waschgelegenheit, Paketannahme, einen Platz außerhalb des Apartments, an dem man jemanden trifft, und Informationen auf Englisch. Dazu kommt oft mehr Fläche, weil Partner oder Familie nachkommen. Geschäftsreisende auf kurzer Mission gewichten Lage und Anbindung höher und wohnen kompakter.
An drei Signalen im Betrieb: Die Aufenthalte werden kürzer statt länger, die Buchungen kommen überwiegend über kurzfristige Portale, und einzelne Apartmenttypen stehen dauerhaft leer, während andere ausgebucht sind. Das deutet auf einen Typenmix, der am Standort vorbeigeplant wurde. Im Bestand lässt sich über Möblierung und Belegung noch nachjustieren, am Grundriss selten. Deshalb gehört die Zielgruppenfrage vor den Entwurf.
Wer im Longstay Bestand halten will, plant für das Wohnen
Wer im Longstay Bestand halten will, plant für das Wohnen und nicht für die Übernachtung. Wie der Einstieg gelingt, von der Standortfrage bis zum ersten Mietvertrag, lesen Sie in Sieben Grundlagen für den Einstieg ins Longstay-Segment.
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Erfolgreich ab dem ersten Haus – mit dem Erfolgssystem von BelForm. Von der Markt- und Standortanalyse über Produktkonzept, Architektur und Innenarchitektur bis zu Möblierung, Digitalisierung und Vermietung, alles aus einer Hand: über 100 geformte Häuser seit 2015, mehr als 10.000 Apartments im DACH-Raum. Sie beauftragen Phase für Phase und steigen nach jeder Phase mit allen Ergebnissen aus, wenn Sie wollen. Ohne Bindung, ohne Penalty.
Wir nehmen’s persönlich: Sahra und Benjamin Oeckl betreuen jedes Haus, als wäre es unser eigenes. Damit Sie ruhig schlafen können.
Zu den von BelForm begleiteten Häusern zählen unter anderem das #behomie Living von ARROW, die Nena Hospitality Apartmenthäuser in Bochum und München, das Projekt Rhinstraße für die Berlinovo, die BlackF Serviced Apartments, die Konversion eines Hotels in Boutique Serviced Apartments für die H’Otello Gruppe und die Mona Lisa Urban Apartments in Frankfurt für die VIVUM Fonds. Alle Erfolgsgeschichten finden Sie in unseren Referenzen.
Bildquellen: BelForm.






