Best-Ager-Residenzen: wie die Silver Society wohnen will
Deutschland wird immer älter – und mit dem demografischen Wandel verändern sich auch die Anforderungen an das Wohnen. Die sogenannte Silver Society gewinnt zunehmend an Bedeutung und rückt damit auch verstärkt in den Fokus des Immobilienmarktes. Doch wie möchten die Best Ager in Zukunft leben und welche Wohnkonzepte werden ihren Bedürfnissen gerecht?
Benjamin Oeckl, Geschäftsführer BelForm · Aktualisiert 13. Oktober 2026 · Erstveröffentlichung 28. November 2018 · 8 Minuten Lesezeit
Einer der wichtigsten Megatrends des 21. Jahrhunderts ist die Silver Society: Die Gesellschaft wird älter, und der Anteil der über 65-Jährigen an der deutschen Bevölkerung steigt weiter. Unter den Großstädten besitzen Dresden und Leipzig den größten Anteil älterer Menschen, so die Erhebung Global Living von Savills aus dem Jahr 2018. Wir haben uns angeschaut, was diese Zielgruppe vom klassischen Senioren unterscheidet, welche Wohnformen sie trägt und worauf Investoren achten sollten.
Das Wichtigste in Kürze
In diesem Artikel
Was Best Ager von klassischen Senioren unterscheidet
Downaging: das gefühlte Alter sinkt
Diese neuen „Senioren“ definieren sich keineswegs als solche, das subjektiv empfundene Alter sinkt stetig. Laut der Studie Zukunftsmarkt Best Ager der Wirtschaftskammer Österreich aus dem Jahr 2018 fühlten sich 58 Prozent der 60- bis 74-Jährigen im Schnitt acht Jahre jünger, als sie tatsächlich waren. 50-Jährige fühlen sich wie 40, 65-Jährige wiederum wie 50. Das Alter ist eine Zahl, das Lebensgefühl entscheidet.
Dieses Phänomen wird als Downaging bezeichnet. Es prägt das Lebensgefühl älterer Menschen und spiegelt sich in vielen Bereichen ihres Alltags wider, vom Lebensstil über die Mediennutzung bis hin zum Konsumverhalten.

Forever Youngsters und Ageless Consuming
Zur Silver Society zählen beispielsweise die sogenannten Forever Youngsters. Sie setzen das Rentenalter nicht mit ihrem Ruhestand gleich, sondern betrachten es als Beginn ihres besten Lebensabschnitts. Lang ersehnte Träume werden verwirklicht, neue Aktivitäten ausprobiert. Ihre Gesundheit hat dabei einen hohen Stellenwert.
Kein Wunder, dass diese Zielgruppe immer stärker ins Visier des Produktmarketings gerät. Eine wachsende Zahl von Produkten richtet sich speziell an Best Ager, von Hautpflegelinien bis zu Reisen. Grundsätzlich verschwimmen die Altersgrenzen beim Konsum aber immer mehr. Beim Ageless Consuming geht es darum, den Menschen in seinen altersunabhängigen Lebensphasen zu erreichen. Die hippe Jeans kann genauso gut von der Großmutter wie von der jugendlichen Enkelin getragen werden.
Für die Best Ager von morgen darf es gerne auch Co-Living statt Altersheim sein.
Die Ansprüche an das Wohnen ändern sich
Mit dem neuen Selbstverständnis verändern sich auch die Lebensmodelle und Ansprüche. Auch mit 55 aufwärts noch in einer WG wohnen? Wieso nicht? Konzepte wie das Co-Living können auch für die ältere Generation interessant sein. Nicht zuletzt tragen sie dazu bei, dass Menschen im Alter nicht so schnell vereinsamen. In einer Befragung von Silver Lining aus dem Jahr 2018 fürchtete die Hälfte der 60- bis 69-Jährigen, im Alter zu wenige Freunde und Bekannte zu haben. Knapp ein Drittel sorgte sich, partnerlos zu sein.

Plus-WG: Gemeinschaft statt Einzelwohnung
Statt allein in einer viel zu großen Wohnung zu leben, lassen sich Wohnkonzepte nutzen, bei denen man mit Gleichgesinnten zusammenwohnt, gleichen Alters oder jünger. Der Unterschied zur klassischen WG: In einer Plus-WG wird häufig ein Haus mit mehreren Wohnungen geteilt statt einer einzigen Wohnung. Hinzu kommen Gemeinschaftsräume wie Küche oder Garten. So entscheidet jeder Bewohner selbst, ob er gerade allein sein möchte oder in Gesellschaft.
Die Vorteile einer Plus-WG:
- Entlastung angespannter Wohnungsmärkte, weil große Wohnungen frei werden
- soziale Integration durch feste Nachbarschaft im Haus
- finanzielle Entlastung durch geteilte Flächen und Kosten
- zwischenmenschlicher Halt und gegenseitige Unterstützung im Alltag
- Gemeinschaftsräume wie Küche oder Garten, dazu ein eigener Rückzugsbereich
Da Einsamkeit nachweislich krank macht, kann das Zusammenleben mit anderen Menschen auch zu mehr Gesundheit und Agilität führen. Nicht nur die Menschen selbst befinden sich im Wandel, sondern auch die Art, wie sie wohnen. Das Seniorenwohnen rückt ab vom klassischen Altenpflegeheim und bietet wesentlich attraktivere Optionen.
Generationsübergreifendes Wohnen in der Praxis
Ein gutes Beispiel für ein modernes Konzept ist das generationsübergreifende Wohnen der Tertianum Premium Residences. In einem Pilotprojekt wohnte eine Studentin ein Jahr lang mit den älteren Bewohnern unter einem Dach. Unterkunft und Verpflegung waren für sie kostenlos, die einzige Gegenleistung: 20 Stunden im Monat mit den Bewohnerinnen und Bewohnern verbringen. Das Ergebnis: Beide Seiten bewerteten die Erfahrung als sehr positiv.
BelForm-Tipp
Segmentieren Sie nach Lebensphase, nicht nach Geburtsjahr: Auszug der Kinder, Ende der Erwerbstätigkeit, eine zu groß gewordene Wohnung. Daraus folgt der Grundrissmix, nicht aus der Altersstatistik.
So steht es um den Markt im Seniorenwohnen
Gemessen am gesamten Wohnimmobilienmarkt bleibt Seniorenwohnen ein kleines Segment. Nach Savills World Research lag das weltweite Investitionsvolumen für Wohnimmobilien 2017 bei 223 Mrd. USD, davon entfielen 17,4 Mrd. USD auf Seniorenwohnungen. Anders als bei Studentenapartments wächst das Volumen im Seniorenwohnen in Zyklen statt stetig: 2016 sanken die Investitionen gegenüber den Vorjahren, 2017 stiegen sie wieder. Laut CBRE-Report 2018 lag der geschätzte Neubau- und Ersatzinvestitionsbedarf im deutschen Seniorenwohnen bis 2030 bei rund 55 Milliarden EUR.

Was Investoren im Segment derzeit bremst
Seniorenimmobilien werden als Assetklasse relevanter für Investoren und sind inzwischen begehrte Nischenprodukte. Die Zahlen der vergangenen Jahre zeigen aber, dass das nicht immer so war: Überinvestments blieben aus, weil der Bedarf damals noch nicht so groß war. Verglichen mit anderen Wohnsegmenten wie Micro Living gilt das Segment bis heute als anspruchsvoller. Drei Hürden bremsen es:
- geeignete Grundstücke zu angemessenen Einkaufspreisen zu finden, wird schwieriger
- für pflegenahe Konzepte fehlt vielerorts das Fachpersonal
- viele Bestandsobjekte müssen umgebaut oder modernisiert werden, um den landesrechtlichen Vorgaben zu entsprechen
Worauf es bei der Umsetzung ankommt
Der demografische Wandel macht Seniorenwohnungen zu einem attraktiven Asset. Dass es dabei nicht das klassische Pflegeheim sein muss, zeigen die veränderten Ansprüche der Bewohner. Entscheidend sind Produktzuschnitt, Ausstattung und Vermietbarkeit: barrierearme Apartments, Gemeinschaftsflächen, die genutzt werden, und Services, die der Bewohner selbst wählt. Wie BelForm Senioren-Apartments und Best-Ager-Wohnen konzipiert und einrichtet, zeigt unsere Nutzungskonzept-Seite.
Häufige Fragen zu Best-Ager-Residenzen
Eine Best-Ager-Residenz ist eine Seniorenresidenz für Menschen ab etwa 55 Jahren, die selbstständig leben und keine Pflege benötigen. Sie kombiniert abgeschlossene, barrierearme Apartments mit Gemeinschaftsflächen und zubuchbaren Services. Anders als im Pflegeheim entscheidet der Bewohner selbst über Tagesablauf, Betreuung und Grad der Gemeinschaft. Der Mietvertrag ist in der Regel wohnwirtschaftlich, nicht heimrechtlich.
Betreutes Wohnen bindet an einen Betreuungsvertrag mit einer Grundpauschale für Notruf, Beratung und Vermittlung von Pflegeleistungen. Eine Best-Ager-Residenz setzt vor dieser Stufe an: Sie richtet sich an aktive Menschen ohne Unterstützungsbedarf, Services sind freiwillig und einzeln buchbar. Der Schwerpunkt liegt auf Wohnqualität, Nachbarschaft und Lage, nicht auf pflegerischer Absicherung.
Als Best Ager gilt in der Immobilienwirtschaft üblicherweise die Gruppe ab 50 bis 55 Jahren. Eine amtliche Definition gibt es nicht. Entscheidend für die Wohnungsnachfrage ist ohnehin weniger das Geburtsjahr als die Lebensphase: Auszug der Kinder, Ende der Erwerbstätigkeit, eine zu groß gewordene Wohnung. Wer diese Zielgruppe plant, sollte nach Lebensphase segmentieren.
In einer Plus-WG teilen sich mehrere Haushalte ein Haus mit mehreren abgeschlossenen Wohnungen, nicht eine einzelne Wohnung wie in der klassischen WG. Dazu kommen gemeinschaftlich genutzte Räume, etwa Küche, Wohnraum oder Garten. Jeder Bewohner entscheidet täglich neu, ob er allein oder in Gesellschaft sein möchte. Das Modell funktioniert altersgemischt genauso wie unter Gleichaltrigen, verwandt mit dem Co-Living.
Der demografische Wandel stützt die Nachfrage langfristig, das Segment gilt als Nischenprodukt mit Wettbewerb um geeignete Grundstücke. Die Rendite entscheidet sich weniger über den Einkaufspreis als über Produktzuschnitt, Ausstattung und Vermietbarkeit. Wer pflegenahe Konzepte plant, muss zusätzlich Fachpersonal und landesrechtliche Vorgaben einkalkulieren. Eine Wirtschaftlichkeitsanalyse vor Planungsbeginn beantwortet die Go-oder-No-Go-Frage.
Der Autor

Benjamin Oeckl, Geschäftsführer von BelForm. Seit 2015 über 100 geformte Häuser mit mehr als 10.000 Apartments im DACH-Raum, Mitherausgeber des Whitepapers Micro Living. Schreibt über Rendite, Produkt und Vermietung von Apartmenthäusern.
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Über BelForm
BelForm ist der Erfolgsgarant für Micro Living. Seit der Gründung 2015 sind über 100 geformte Häuser mit mehr als 10.000 Apartments im DACH-Raum entstanden. Projektentwickler, Investoren, Family Offices und Bestandshalter bekommen ein Erfolgssystem von der Markt- und Wirtschaftlichkeitsanalyse über Produktkonzept, Architektur bis LPH 4 und Innenarchitektur, Betreibermatching, Möblierung und Innenausbau, Digitalisierung bis zur Vermietung und zum Community Management über OneHaven. Sie beauftragen Phase für Phase und können nach jeder Phase mit allen Ergebnissen aussteigen. Ohne Bindung, ohne Penalty. Wie das wirtschaftlich wirkt, zeigt das Referenzprojekt Little East in Frankfurt: 276 Einheiten, über 95 Prozent Vermietungsquote stabil über zwölf Monate und 50 Prozent mehr Kaltmiete, kalt-zu-kalt und nebenkostenbereinigt.
Zu den begleiteten Projekten zählen #behomie Living in Düsseldorf, die Nena Hospitality Apartmenthäuser in Bochum und München, das Student Living Rhinstraße für die Berlinovo, die BlackF Serviced Apartments in Freiburg, die Konversion eines Hotels in ein Boutique-Apartmenthaus in München und die Mona Lisa Urban Apartments in Frankfurt für die VIVUM Fonds. Weitere realisierte Apartmenthäuser finden Sie in der Referenzübersicht. Mehr zu den Auszeichnungen.
Bildquellen
Header: DisobeyArt auf iStock; Bild 1: Zukunftsinstitut; Bild 2: Marcus Aurelius auf Pexels; Bild 3: Yan Krukau auf Pexels; Bild 4: Savills World Research using RCA





